Das Weltgerichts-Triptychon des Hieronymus Bosch

Gemäldegalerie
Akademie der bildenden Künste Wien
Das Weltgerichts-Triptychon des Hieronymus Bosch ist ein Meisterwerk der niederländischen Malerei um 1500 und es bildet, permanent ausgestellt, das Herzstück der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien.

Der dreiteilige Flügelaltar zählt gemeinsam mit dem Garten der Lüste im Prado in Madrid zu den größten und figurenreichsten Werken des Malers. Bosch schuf das Weltgerichts-Triptychon etwa zwischen 1490 und 1505. Der Altar zeigt ein moralisierendes Bildprogramm, das mit drastischen, kleinteiligen Szenen das drohende Schicksal der Menschheit aus christlicher Sicht darstellt – vom Sündenfall des ersten Menschenpaares bis zum Jüngsten Gericht.

Das Weltgerichts-Triptychon entspricht in seiner Form einem dreiteiligen Flügelaltar, wie er im christlichen Gottesdienst traditionell Verwendung fand. Unter der Woche blieben üblicherweise die Flügel geschlossen. Nur zu Sonn- und Feiertagsmessen wurden die Flügel des Altars geöffnet, sodass sich das gesamte Bildprogramm der Flügelinnenseiten und der Mitteltafel entfaltete. 

Ob Boschs Weltgerichts-Triptychon ursprünglich in einer Kirche oder Kapelle aufgestellt war, ist nicht bekannt. 1659 ist es erstmals in der Sammlung des kunstsinnigen Erzherzogs Leopold Wilhelm, habsburgischer Statthalter in Brüssel, dokumentiert. Es gelangte 1822 durch das Vermächtnis des Grafen Lamberg-Sprinzenstein, der das Triptychon um 1787 aus der kaiserlichen Sammlung erworben hatte, an die Akademie. Heute befindet es sich, wie die gesamte Gemäldesammlung, im Eigentum der Republik Österreich.


Das Bildprogramm des Triptychons

Auf dem linken Seitenflügel ist das Paradies zu sehen mit der Erschaffung von Adam und Eva, dem Sündenfall sowie der Vertreibung aus dem Garten Eden durch den Erzengel Gabriel. In den dunklen Wolken über der Paradieslandschaft ereignet sich der Kampf und Sturz des Engels Luzifer zusammen mit anderen von Gott aus dem Himmelreich verstoßenen abtrünnigen Engeln.

Figurenreich wird das Thema der sieben Todsünden und die Bestrafung der lasterhaften Menschen variiert. Auf der Mitteltafel spielen sich in einer düsteren und teilweise brennenden Nachtlandschaft detailreich bizarre Folterszenen ab, bevölkert von unzähligen Dämonen und Teufeln. In der Himmelssphäre darüber thront Christus als Weltenrichter, flankiert von den Aposteln, darüber Maria und Petrus, umringt von Engeln mit Posaunen. In der linken oberen Ecke deutet ein kleiner goldener Lichtschein die Öffnung zum himmlischen Paradies an, während die rechte obere Ecke in Düsternis versinkt. Auf dem ebenso dunklen Hintergrund des rechten Seitenflügels setzen sich die Qualen der Sündigen in der Hölle und ewiger Verdammnis fort.

Die Darstellungen auf den Außenflügeln sind in Grautönen, in sogenannter Grisaille-Technik, gemalt. Umso beeindruckender ist daher der Kontrast zwischen dem geschlossenen Altar und dem farbenreichen Detailreichtum der Innenseiten.
Die Heiligenfiguren auf den Außenflügeln stellen als Vorbilder für ein gottgefälliges Leben einen Gegenpol zum Bildprogramm der Innenseite dar.

Am linken Außenflügel ist der Pilgerheilige Jacobus der Ältere zu sehen, am rechten der heilige Bavo oder, nach anderen Auffassungen, der heilige Hippolytus. Letztere Auslegung könnte auf den möglichen Auftraggeber des Altars, Hippolyte de Berthoz, ein Kämmerer am Hof Karl des Kühnen, hinweisen; doch die Identifikation des Dargestellten konnte bislang nicht gänzlich geklärt werden – wie manch anderes Rätsel, das das Gemälde aufgibt.



 

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